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Kletterbaum

Eiche

Ich weiß nicht wie alt diese Eiche sein könnte, sie ist und bleibt aber der Kletterbaum aus meiner Kindheit.

Hier turnten wir unbeschwert und frei herum, meine Freundin Katinka, mein Bruder und ich.

Der Baum steht im Garten meiner immernoch besten Freundin, mit der ich schon gemeinsam im Sandkasten hockte und mit Matsch spielte.

Ein wahrer Zauberspielbaum war diese Eiche für uns: In unserer Fantasie bestanden wir die Abenteuer des Peter Pan, waren Piraten oder einfach kleine übermütige Kobolde. Wippten und schaukelten dabei kräftig in den Zweigen- wie kleine Affen. Erstaunlicherweise passierte uns nie etwas, was waren wir damals gelenkig!

Hier oben im Baum verschwanden wir buchstäblich im Blätterwerk, fühlten wir uns unsichtbar für den Rest der Welt – er war ein lauschiges, rauschendes Versteck.

Unbezahlbar herrlich!

Die Zeit verging und später dann, als uns das Rauchen interessierte, klaute ich meinem Vater eine seiner Meerschaumpfeifen. Er warf die alten Dinger nie weg, legte sie in einer alte Truhe ab (warum auch immer) Also schnappte ich mir unbemerkt ein ausgedientes Pfeiffchen und wir beide, Katinka und ich, sammelten alte trockene Eichenblätter, zerkleinerten sie, stopften anschließend die Pfeife damit und rauchten dieses ekelige, widerliche Zeug.

Unsere Raucherutensilien versteckten wir unter den damals tief hängenden und Boden berührenden Zweigen des Baumes -unterm Eichenlaub in einer Blechdose. Kostbare Streichhölzer lagen auch dabei…und später noch die stibitzten Zigaretten von Katinkas Mutter.

Dieser Baum war immer ein Treffpunkt für uns. Es war eine unbeschwerte fröhliche Zeit.

Ich besuche die Eiche öfter. Ein warmes, zufriedenes Glücksgefühl durchströmt mich dann bei ihrem Anblick- das kann mir keiner nehmen-wunderschön.

Die damalige warme, wohlige Atmosphäre spüre ich tief in mir. Das angenehme weiche Sonnenlicht, den typischen intensiven Geruch der Jahreszeit, Bilder- als wäre es gestern.

Ich bin sehr dankbar für diese erlebte Zeit.

Vielleicht versuche ich demnächst wieder einmal auf diesen schönen Baum zu klettern

– mit oder ohne Hilfe.

Oder ich setze mich einfach auf die Schaukel, die dort immer noch an der gleichen Stelle hängt wie früher.

Ja – das gefällt mir besser.

Hin und her schaukeln, dabei das kribbelnde Gefühl in der Magengegend spüren, das so schön ist, als wäre man verliebt….